Nach dem Motto “habe eine CD geklaut, soll sich doch das Geschäft melden, wenn sie die wiederhaben wollen” scheinen mittlerweile auch Buchverlage zu praktizieren. So auch der Riva Verlag aus München, der sich gerade in der Netzwelt alles andere als Freunde machte.
Es hätte eigentlich alles so schön sein können: lustige Sprüche gesammelt in einem schicken Buch in einem noch schickeren Font namens “Comic Sans MS” und das Buch kann der Bestseller werden.
Aber wenn man selbst nicht kreativ ist und einem keine Sprüche einfallen, woher nehmen und nicht stehlen? Korrekt: von einer seriösen Seite wie der Fanpage des Herrn
Das könnte man ja noch gerade so hinnehmen, es ist keinem ein Schaden entstanden – aber wenn dann ein “renomierter” Verlag aus Sprüchen dieser zwielichtigen Quelle ein Buch machen und Geld verdienen will … an diesem Punkt kochten dann auch auf Twitter die Gemüter ziemlich hoch, die Diskussion auf Facebook nahm seinen Lauf verursacht durch ein Posting des Verlags, in dem alle Twitterer aufgefordert werden, doch Bescheid zu geben, wenn einer ihrer Sprüche im Buch auftaucht, man werde ihn dann entfernen.
Womit wir wieder beim Anfang werden mit “CD klauen etc.” – ich schreibe also einen Einfall auf, veröffentliche ihn. Eine Fanseite klaut ihn dann, gibt ihn als ihr Eigentum aus, ein Buchverlag springt auf und lässt sich vom Inhaber der Fanseite die Rechte an den Sprüchen geben (die dieser gar nicht besitzt). Irgendwann fällt einem das Fehlverhalten auf und man reagiert so wie oben beschrieben – völlig unangemessen.
Weitere Ironie: um die eigenen Sprüche zu finden, müsste man erst einmal das Buch kaufen, nur um die eigenen Inhalte darin wiederzufinden und …. kurios! Man ist also als Rechteinhaber in der Beweispflicht, dass man beklaut wurde, nicht umgekehrt. Totaler Unsinn natürlich, ein Verlag hat vor der Veröffentlichung jeglicher Zitate die Einverständnis der Rechteinhaber einzuholen. Und das egal ob die Sprüche nun ein Twitterer vor 3 Jahren oder ein Autor eines “Klosprüche”-Buchs vor 10 Jahren erfunden hat, was bei einigen der Sprüchen auch der Fall zu sein scheint.
Ich selbst bin davon zwar weniger betroffen, dennoch habe ich einmal die Situation zusammengefasst, aufgeschrieben und veröffentlicht – um das Ganze bekannt zu machen, um euch aufzufordern, eure Einfälle zu überprüfen und gegebenenfalls dem Verlag zu sagen, dass ihr mit einer Veröffentlichung nicht einverstanden seid.
Es besteht zwar die Frage, inwiefern ein Tweets aus maximal 140 Zeichen urheberrechtlich geschützt ist bzw. inwiefern man als Verfasser überhaupt die Möglichkeit hat, zu handeln. Dennoch ist es – selbst wenn nicht notwendig, was ich aber nicht glaube – nur fair, wenn der Verlag VORHER nachfragen würde und nicht erst im Nachhinein zu “Einsicht” kommt.
Soweit so gut ich bin über jeden Kommentar dankbar, in dem mir weitere Infos gegeben werden, ebenfalls über einen Tweet an mich oder eine Facebook-Nachricht!
Weiterführende Links und Quellen:
- iSpruch-Fanseite
- Riva Verlag-Fanseite
- Posting auf der Riva Verlag-Fanseite
- Vorabversion des Buchs (siehe Update 1)
Falls weitere Infos auftauchen, werde ich euch natürlich sofort informieren und diesen Beitrag ergänzen.
Update 1: 3.9.12 14:50 Das ging schnell – soeben erhielt ich einen Link zu einem PDF das wohl eine Vorabversion des Buchs darstellt. Beim ersten Durchsehen fielen mir gleich einige Texte auf, die ich so schon einmal irgendwo las, wer ebenfalls einen Blick hineinwerfen will, bitteschön. Ihr solltet aber bedenken: dieses PDF enthält 14 Seiten, ein Buch normal mehr sodass man hier sprichwörtlich nur die Spitze des Eisbergs in den Händen halten ürfte.
Update 2: 3.9.12 18:10 Laut einer Dame namens “Britta Weddeling” soll die Pressestelle des RivaVerlag bekannt gegeben haben, dass die Veröffentlichung zurückgezogen wird – auf der offiziellen Seite des Verlags ist davon bisher nichts zu finden.
#Riva-Verlag zieht Buch mit #Twitter-Sprüchen zurück. “Wir werden das Buch nicht veröffentlichen”, teilt mir die Pressestelle gerade mit
— Britta Weddeling (@miss_brizz) September 3, 2012
Sobald etwas offizielles dieser Art erscheint, kommt es als Update untendrunter.
Update 3: 3.9.12 18:40 Soeben bekam ich von einem Twitterer die Info, dass der Tagesspiegel einen entsprechenden Bericht veröffentlicht hat, in dem sich auf eine Pressemitteilung bezogen wird, die der Riva Verlag herausgab. Nach dieser wird das Buch nicht veröffentlicht.
“Der Autor kann die Urheberrechtsverletzung nicht entkräften” (Pressestelle Riva Verlag)
Die gleiche Meldung gab der Riva Verlag auch als Kommentar unter dem entsprechenden Beitrag auf Facebook heraus, ebenfalls auch als Pinnwandeintrag.
Man kann sich jetzt also recht sicher sein, dass erst einmal nichts weiter passieren wird – zumindest beim Riva Verlag, denn die Facebook-Seite von Herrn Hohenhaus steht immer noch online und wird wohl weiter klauen.
achisto
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Ich frage mich schon den ganzen Mittag, ob man Tweets als Buch herausgeben muss. Ja, sicher einerseits handelt es sich um ein neues Format, das sicher irgendwie festgehalten werden will. Aber ist es angemessen, die Tweets zwischen Buchdeckel zu pressen?
Aber … Raubkopierer sind doch Verbrecher, oder? Oder doch nicht?
Pingback: Tweetklau und der Riva-Shitstorm « Netroid
Lustig ist, daß gerade die, die nach Verschärfungen des Urheber/Verwertungsrechts jammern, so hemmungslos klauen. Nicht ein geklauter Tweet macht die Leute so sauer, sondern daß dieser von Leuten geklaut wird, die das Klauen so extrem verdammen.
Noch lustiger ist, daß Riva einfach nur blöd ist:
Sie könnten sich von Twitter die Rechte sichern, in den Nutzungsbedingungen steht da was von “Twitter hat das Recht, alle eingestellten Inhalte nichtexklusiv an Dritte weiterzulizensieren” und bräuchten die entsprechenden Twitterer nicht mal zu fragen. Ob man bei Erstellung einer entsprechenden Collage auch die Urheber haarklein nennen muß: keine Ahnung.
Andererseits gibts da aber noch einen ganz anderen Hammer:
Jeder Twitterer, dessen Erguß dort gedruckt würde hat wahrscheinlich Ansprüche via der VG Wort.