Erfahrungen mit dem ‘SunSniper the PRO’ und Test

Unter Fotografen wird er bekannt sein, vielleicht kennen viele das Konkurrenzprodukt zum SunSniper, den BlackRapid-Strap. Wenn euch der Name nichts sagt, ist es aber auch nicht schlimm: der SunSniper ist ein Kameragurt, der anders als die normalen beigelegten Gurte nicht an den entsprechenden Halterungen gefestigt wird, sondern mit einer Schraube im Stativgewinde.

Der Gurt wird außerdem nicht bloß um den Hals gelegt, sondern von der linken Schulter auf die rechte Seite des Körpers, sodass die Kamera auf Höhe der rechten Hüfte baumelt.

Ich bin seit einem knappen halben Jahr Nutzer des SunSniper-Gurts und bin sehr zufrieden – nicht gänzlich, es gibt einige Kritikpunkte, die ich im nachfolgenden Artikel erläutere.

Was sind die Vorteile des Gurts?


Viele werden jetzt erst einmal verwundert denken, dass die Position der Kamera ja richtig unpraktisch ist. Schließlich ist man gewohnt, sie vor der Brust baumeln zu haben. Denkt man aber weiter darüber nach, wird das immer praktischer, da die Kamera so nicht stört, bei Bedarf aber mit einem schnellen Griff der rechten Hand gepackt und nach oben geführt ist. Ist man fertig, lässt man die Kamera nach unten gleiten und hat sie aus der “Schusslinie”.

Der nächste Punkt ist die Entlastung des Nackens. Ich habe bei meiner Kamera in Verbindung mit einem Blitz und etwas größerem Objektiv gemerkt, dass das Gewicht schon nach unter einer Stunde ganz extrem auffällt, der Nacken tut weh und man fällt automatisch in eine unnatürlich Haltung mit dem Kopf nach vorne. Das ist ungesund und man wird schnell die Freude an längeren Trips verlieren.

Da das Gewicht beim SunSniper nicht primär am Nacken anliegt, sondern über das Schulterpolster auf den oberen Rücken verteilt wird und die Kamera zusätzlich tiefer hängt, ist das Genick fast komplett entlastet, das Gewicht verteilt sich auf eine größere Fläche und auf “angenehmere” Bereiche.

Des weiteren hat man Gurt eine zusätzliche Federung (im Bild der schwarze Wulst unterhalb des Polsters), die gerade bei schweren Kameras und langen Fußmärschen die Vibrationen und Zugkräfte nach unten auffangen und hemmen soll. Ich kann nicht sagen, inwiefern und ob das hilft, da mir die Referenz fehlt, vorstellbar ist es aber.

Oben habe ich schon “große Objektive” angesprochen, da der Gurt am Stativgewinde befestigt wird, hat man bei längeren Brennweiten und einer Stativbefestigung am Objektiv die Möglichkeit, dort den Gurt anzubringen. Der Vorteil liegt auf der Hand, ein normaler Gurt ist an der Kamera und das ganze Monster kippt nach vorne, mit dem Gurt am Objektiv wird das ganz gut in der Waage gehalten.

Bei meinem Gurt ist außerdem ein Stahlseil eingenäht, welches als Diebstahlschutz dient, außerdem den gurt belastungsfähiger und tragfähiger macht. Ein nettes “Gimick” ist auch, dass das Equipment bei Diebstahl trotz Stahlseil weltweit versichert ist – allerdings nur bis zu einem Betrag von 400 $, was in meinen Augen völlig unsinnig ist – wozu habe ich einen Gurt mit einer belastbarkeit von 5 kg, wenn ich maximal Equipment im Bereich einer kleinen DSLR mit kleinem Objektiv versichert habe? Das erschließt sich mir nicht so ganz und könnte schon fast als Nachteil gewertet werden. Da das Ganze aber ja völlig freiwillig von Seiten des Herstellers ist, lasse ich es einmal so stehen.

Zu guter letzt ist auch die Position der Kamera recht nützlich – baumelt sie vor der Brust, hat man sie im Weg, wenn man irgendwo hochklettern muss oder sich schnell bewegt, außerdem gibt man sofort das typische Bild eines “bildgeilen Touristen” ab. Befindet sie sich aber knapp oberhalb der Hüfte ist sie aus dem Weg und man ist flexibler und wendiger.

 

Es gibt aber auch Nachteile


Es ist aber wie immer so: kein Licht ohne Schatten. Es gibt nämlich einige Punkte, die einem beim täglichen Gebrauch des SunSniper auffallen, die leicht zu verbessern wären.

Das erste ist der Gurt an sich. Auch wenn ich gerne etwas anderes schreiben würde, so bin ich etwas enttäuscht von der Qualität. Der Gurt hat mich auf einer Messe knapp 50 € gekostet, regulärer Verkaufspreis ist bei 65 €, da darf man gute Materialien erwarten. Und obwohl ich den Gurt, wie all mein Equipment, pfleglich behandele, fängt er an manchen Stellen an, sich “aufzulösen”. Bezeichnend ist, dass dies genau der Bereich ist, in dem ich die Kamera immer hoch und runter bewege, die Ränder fangen hier an, “auszufransen”. Ob das an dem “Made in China” liegt lasse ich offen. Es hat auf jeden Fall nicht nur den Effekt, dass der Gurt komisch aussieht sondern auch, dass das schnelle Hochziehen der Kamera aufgrund der Reibung nicht mehr so schnell ist.

Ich bin momentan noch am überlegen, mich an die Firma zu wenden und diesbezüglich nachzufragen, wenn geschehen, ergänze ich den Artikel an dieser Stelle.

Der nächste Punkt ist das Schulterpolster. Ich finde es für meine (wirklich nicht sehr breiten) Schultern recht schmal und dafür zu dick, das ist teilweise sicher durch die Federung bedingt aber auch durch das Polster an sich. Ich habe keinen direkten Vergleich, aber die BlackRapid-Gurte sehen da anders gebaut aus, wäre einen Versuch wert. Außerdem bieten sie in dem Schulterpolster ein Speicherkartenfach, das wäre bei der Dicke des SunSniper auch noch gegangen.
Das ist aber minimal und fällt nur dann ins Gewicht, wenn man über dem Gurt noch einen Rucksack trägt, was bei mir aber oft der Fall ist.

Womit wir auch beim nächsten Punkt wären: das Schulterpolster verrutscht gerne, gerade wenn die Kamera unten baumelt, man sie nach oben zieht, ist die Reibung groß genug, dass das Polster über die Schulter nach hinten rutscht. So zieht man im Grunde nicht die Schnalle am Gurt entlang, sondern den Gurt gleich mit nach oben. Das wäre kein Problem, wäre es beim herunterlassen umgekehrt – ist es aber nicht, die Kamera baumelt unten, das Schulterpolster ist irgendwo zwischen Rücken und Po, man muss es also wieder hochziehen, was auf Dauer sehr auf die Nerven geht.

Und obwohl ich es fast leid bin, dauernd den BlackRapid als Vergleich heranzuziehen: laut Produktbeschreibung und Herstellervideo bietet dieser Gurt eine “Klemme”, die man am Gurt festklemmt und zwar direkt hinter der Kamera in heruntergelassender Position. Verrutscht der Gurt nun nach hinten, wird er durch das Herunterlassen der Kamera wieder hochgezogen. Das standartmäßig mitzuliefern wäre auch beim SunSniper kein Problem und nur ein Centbetrag in der Herstellung, ich habe mir da mit einer Bastellösung beholfen, funktioniert, ist nicht schick und schade, dass das nicht von vornherein so ist.

Zu guter Letzt ist die Kamera zwar fest am Gurt – aber die Möglichkeit, dass sich die Schraube löst, besteht ja dennoch. Es ist zwar ein Gummi, der bei starkem Festziehen zusammengepresst wird und so eigentlich alles fest hält, 100% sicher ist das aber nicht und man hört und liest von Fällen, in denen eine Kamera herunterfiel – auch beim neueren Gurt, der anders als der Alte in 1. Version schon ein Kugellager besitzt, mehr zum Gurt der 1. Generation findet ihr hier. Auch hier habe ich selbst Hand angelegt und aus einem alten Kameragurt ein Stück ausgeschnitten, an der Gurtschnalle und am SunSniper befestigt. Funktioniert, sieht komisch aus und ist unpraktisch. Aber Sicherheit geht vor, für mich zumindest.

 

 

Mein Fazit und eine Empfehlung


Das waren alle Punkte, die mir aufgefallen sind. Als Fazit habe ich im Folgenden noch einmal alle Pro- und Kontra-Argumente gegenüber einem normalen Gurt als auch Konkurrenzprodukten aufgeführt:

Pro

  • Entlastung des Nackens
  • Federung für schwere Kameras
  • Befestigung am Stativgewinde
  • Länge einstellbar
  • Stahlseil und Versicherung
  • Kamera schnell griffbereit aber dennoch “aus der Schusslinie”

Kontra

  • Schulterpolster sehr dick und schmal
  • Verrutschen
  • Keine 100%ige Sicherheit
  • (Versicherung zu gering)

Ich selbst bin mit dem Gurt sehr zufrieden und wollte ihn nicht mehr hergeben, geschweige denn gegen den normalen tauschen. Dennoch finde ich, dass durchaus Nachbesserungsbedarf besteht, die Punkte sind oben genannt, denn gerade bei einem so teuren Produkt darf man ordentliche Qualität und Verarbeitung erwarten.

Ich empfehle euch den Gurt daher mit der weiteren Empfehlung, auch einen Blick auf den leider etwas teureren BlackRapid-Strap zu werfen. Außerdem bieten sich für den Kauf eines solchen Produkts immer Fotomessen an, da dort Rabatte gewährt werden und aushandelbar sind oder der Blick in einschlägige Foren.

Die Gurte gibt es in allen Ausführungen zum Beispiel bei Amazon, die Preise gestalten sich wie folgt:

Sniper-Strap One ~ 35 €
Sniper-Strap Steel ~ 45 €
Sniper-Strap The Pro ~ 65 €

Die Unterschiede: der Basisgurt “One” ist nur ein Gurt mit Anschluss, der “Steel” besitzt ein eingenähtes Stahlseil als Diebstahlschutz, der “The Pro” zusätzlich ein Kugellager.

Die offizielle Webseite der Firma “Sun-Sniper” findet ihr hier, die des Konkurrenten “BlackRapid” hier. Den Blackrapid werde ich ebenfalls versuchen, zu testen.

achisto

Autor und Fotograf bei mint.network
Administrator, Blogger, Fotograf. Mitgründer von mint.network im July 2011. Hauptsächlich als Autor und Fotograf tätig.

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3 Gedanken zu „Erfahrungen mit dem ‘SunSniper the PRO’ und Test

  1. deLtadeep

    Sehr schöner Beitrag, kann mich dem nur anschließen. Es bereichert einen in der Nutzung und gerade dem Transport seiner Kamera extrem. Das mit dem Schulterpolster stört mich gar nicht mal so sehr – gerade bei warmem Wetter schwitzt man schnell darunter, so dass das Verrutschen einen angenehmen Nebeneffekt hat. Ansonsten schließe ich mich aber an: tolles Produkt mit ein paar Verbesserungsoptionen.

    Antworten
    1. achisto Artikelautor

      Das Verrutschen an sich ist gar nicht das nervige sondern eben die Tatsache, dass das Polster nicht wieder zurück rutscht sondern irgendwo baumelt. Das nervt dann doch, gerade wenn man in Eile ist o.ä.

  2. Pingback: [mint-forum] Kameragurt im Test

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