Dieser Gastartikel stammt von Ludwig alias luhudroid, mehr Infos über ihn findet ihr am Ende dieses Artikels!
Fotos von Sternen sind – wie ich finde – mit die schönsten Motive, die unsere Natur so her gibt. Besonders klasse finde ich dabei Startrail-Fotos. Doch was ist das genau?
Kurz erklärt: Da sich die Erde um ihre eigene Achse dreht sieht es von uns aus gesehen so aus, als ob die Sterne am Himmel entlang ziehen würden. Da das aber so langsam passiert, dass man es mit dem bloßen Auge gar nicht sieht, stellt es für mich einen besonderen Reiz dar, das sichtbar zu machen. Das geht natürlich mit einer DSLR, indem man eine Langzeitbelichung macht und so die Bewegung einfängt.
Der Unterschied wird im obigen Bild sehr deutlich, das obere ist ein typisches Startrail-Bild, das untere “nur” der einfache Sternhimmel ohne sichtbare Sternbewegung.
In diesem Artikel zeige ich euch, wie auch ihr mit einfachsten Mitteln und wirklich jeder DSLR solche Startrail-Bilder machen könnt sowie ein weiteres Beispielbild!
Wie mache ich die Langzeitbelichtung?
Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten diese Langzeitbelichtung zu machen:
- Man belichtet ein Bild sehr lange, also 30 Minuten oder länger. Da das die wenigsten Kameras können ist das schonmal ein negativer Punkt daran. Außerdem kann es passieren, dass das eine Bild nichts wird und dann die ganze Arbeit umsonst war. Positiv ist aber, dass man damit weniger Arbeit hat: Am Ende kommt ein Bild dabei heraus, dass man nur noch ein wenig bearbeiten muss.
- Die zweite Methode – die ich wesentlich lieber verwende - ist es, viele kurz belichtete Fotos zu machen. Also quasi Serienaufnahmen, wobei jedes Bild so 20 bis 30 Sekunden lang belichtet wird. Das hat den enormen Vorteil, dass man im Nachhinein viel flexibler mit der Bearbeitung des Bildes ist und es nicht schlimm ist, wenn ein Bild dabei ist was nichts wird. Allerdings muss man danach die Bilder zu einem Zusammenfügen - also hat man im Nachhinein noch ein wenig Arbeit.
Da die zweite Methode wesentlich besser geeignet ist, was Nachbearbeitung und Anpassung angeht, möchte ich euch diese vorstellen. Das ganze erfordert auch keine wahnsinnigen fotografischen Kenntnisse, nur ein wenig Vorbereitungs- und Einlesezeit.
Was braucht man dazu?
Das Equipment, dass dazu nötig ist, sollte eigentlich jeder Hobby-Fotograf haben:
- Natürlich eine DSLR mit Objektiv, letzeres sollte möglichst weitwinklig sein. Da ich nichts anderes habe nehme ich aber einfach das 17-50 Tamron 2.8 Standardzoom-Objektiv.
- Sehr wichtig ist natürlich ein Stativ – ist ja logisch, oder?
Das war es eigentlich auch schon – so hardwaremäßig.
Wichtige Kameraeinstellungen
Kommen wir zu den Einstellungen an der Kamera: Natürlich wird im manuellen Modus fotografiert, mit möglichst offener Blende, möglichst kleinem ISO, um Bildrauschen zu vermeiden und einer Belichtungszeit von 30 Sekunden. Die Rauschunterdrückung muss man dabei ausschalten, sonst würde es nach einem 30 sekündigen Bild nochmal 30 Sekunden dauern, bis der Dunkelbildabzug fertig ist. Dadurch entstehen im Endbild dann logischerweise Lücken in den Sternenstrichen.
Damit kann man dann erstmal ein Testbild schießen und schauen, ob man auch ein paar Sterne sieht. Aber keine Angst, durch das Stacken später werden noch wesentlich mehr Sterne sichtbar, als man im einzelnen Bild sieht. :)
Da ein Bild ja nicht reicht, muss man eine Serienaufnahme mit diesen Einstellungen machen. Die meißten aktuellen Spiegelreflex-Bodies haben einen Menüpunkt dafür, wodurch man garnichts weiter machen muss. Ansonsten ist aber auch ein einrastbarer Kabelauslöser super geeignet.
In meinem speziellen Fall ein etwas “witziger” Workaround: Da meine alte Nikon D50 das alles nicht kann, habe ich einfach einen Einmachgummi und ein kleines Stückchen Radiergummi genommen und damit einen Dauerauslöser gebaut. Funktioniert einwandfrei!
Damit macht die Kamera also so lange hintereinander Bilder, bis man den Gummi abnimmt oder der Akku leer ist. Länger als anderthalb Stunden habe ich das noch nicht probiert, der Akku würde aber länger halten.
Wenn alles geklappt hat und man nicht am Stativ gewackelt hat, hat man also einige hundert Bilder, in meinem Beispiel waren es 170 Stück, jeweils mit 20 Sekunden aufgenommen.
Ab in die Nachbearbeitung!
Für die Nachbearbeitung gibt es auch wieder mehrere Möglichkeiten, aber was muss eigentlich gemacht werden?
Da man ja jetzt auf den einzelnen Bildern nur Sternenpunkte und keine -Striche hat, muss man die Bilder alle übereinander legen. Sprich: Alle Punkte im zweiten Bild, die heller sind als die im ersten, werden dazu “addiert”. Das passiert nacheinander mit allen Bildern, sodass im Endeffekt die Sternenstriche entstehen.
Um das nicht mit der Hand machen zu müssen, gibt es natürlich Software, die das übernimmt. Neben einiger Freeware, mit der ich mit noch nicht weiters beschäftigt habe, ist es aber auch mit einem Plugin für Photoshop möglich. Dieses legt quasi automatisch alle Bilder in Ebenen mit der Verrechnungsmethode “Aufhellen” (englisch “Lighten”) übereinander, wodurch oben beschriebener Effekt erzielt wird.
Bevor man das Photoshop Plugin mit den Bildern füttern kann, muss man sie allerdings in JPGs umwandeln. Ich mache das immer elegant mit der Stapelverarbeitung in Camera RAW, da kann ich gleich noch ein paar mehr Details aus den Bildern rausholen und sie automatisch als JPG abspeichern. Oder ihr benutzt Lightroom und habt vielleicht schon Achistos Workflow gelesen, dann wisst ihr da auch Bescheid.
Danach geht’s ab ins Stacking-Plugin, dass dann den Rest übernimmt.
Das kann bei 170 Bildern oder mehr zwar eine Weile dauern, aber wenn man zwischen drin schnell einen Schokoriegel isst, ist es auch schon fertig.
Am Ende noch ein wenig Endbearbeitung oder Retuschierung und fertig ist das Grundgerüst, man wird einige Punkte finden, die nicht so gelungen sind aber auch viel Positives.
Zum Abschluss: Ein Startrail-Bild
Mit der Zeit kann man da noch viel an Erfahrung sammeln, egal ob mit den Einstellungen an der DSLR oder in den weiteren Verarbeitungsschritten. Ich mache es zum Beispiel meistens noch so (nur wenn es durch den Mond nicht eh schon hell genug ist), dass ich am Ende der Serienaufnahme noch manuell eine länger Aufnahme für den Vordergrund mache, je nach Lichtverhältnissen von einer bis 10 Minuten. Diese dann aber mit eingeschalteter Rauschunterdrückung.
Die Aufnahme für den Vordergrund kann man dann im Nachhinein mit einer Ebene ins Bild überblenden, sodass auch der Vordergrund ausreichend hell ist.
Was dabei raus kommen kann, könnt ihr hier sehen. Ist zwar nicht optimal, aber rein erfahrungstechnisch bringt es mich schon weiter in die Richtung eines optimalen Bildes. :)
Zu meiner Person: ich bin Ludwig, im Netz eher bekannt als luhu oder luhudroid, und blogge schon seit langer Zeit bei einer Android-Community. Seit einiger Zeit habe ich die Fotografie als mein Hobby entdeckt und bin schon früh auf die Startrail-Fotografie gekommen. Wenn ihr mehr meiner Fotos sehen möchtet, habt ihr hier die Möglichkeit, ansonsten dürft ihr euch auch über den einen oder anderen Artikel hier in Zukunft freuen, dies war zwar mein erster, wird aber nicht der letzte gewesen sein!
achisto
Neueste Artikel von achisto (alle ansehen)
- Mein Netzverhalten im Internet - Sa, 27. April 2013
- Die Telekom und Drosselung: meine Meinung - Mo, 22. April 2013
- Ein Testmonat bei Watchever und mein Fazit - Sa, 20. April 2013
- Die deutsche Telekom und ihr Service - Mi, 10. April 2013
- Hörbücher für iPod und iPhone selbst erstellen - Mi, 13. Februar 2013



Schöner Artikel :)
Pingback: [mint-forum] Startrail-Fotografie
Pingback: [Gastartikel] Aufsteckblitz Oloong Speedlight SP-690 im Test