Mein Workflow für Fotos – von der Aufnahme bis zum ‘Publishing’

In den letzten Tagen habe ich mich sehr intensiv mit meinem File-Management in Bezug auf die Fotos, meiner Lightroom-Sortierung und Verwaltung sowie meinem kompletten Workflow beschäftigt. Grund war eine Umrüstung meines PCs auf eine SSD und eine neue externe Festplatte für Backups. Bei der Gelegenheit habe ich gleich auch nicht nur Lightroom “aufgeräumt” sondern auch auf meiner Festplatte für Ordnung gesorgt – ein Backups sollte ordentlich sein, damit nichts verloren geht.

Außerdem war mir “das Glück hold” und spielte mir dieses Video in die Hände, auf dem der Fotograf Chase Jarvis seinen kompletten Workflow inklusive Filemanagement erläutert. Ihr könnt gerne einmal reinschauen, wobei ihr gleich merken werdet: die Dimensionen, in denen er arbeitet, sind ganz andere. Oder habt ihr einen Server mit 32 TB Festplattenspeicher bei euch herumstehen? Oder macht ihr stündlich Backups eures gesamten PCs?

Ich nicht, und so werde mich in diesem Artikel mit den folgenden Punkten beschäftigen:

  • Fotografieren
  • Importieren
  • Dateiverwaltung
  • Katalogverwaltung
  • Nachbearbeitung

Vorneweg sei noch zu sagen: ich beschreibe hier meinen eigenen und ganz individuell auf mich abgestimmten Workflow und meine einzelnen Arbeitsschritte. Das heißt, ich möchte weder sagen “ihr müsst das genau so machen” noch “ich mache das optimal, ihr nicht”. Das wäre Unsinn, jeder fotografiert anders und so kann dieser Artikel dazu dienen, Einblicke in die Arbeitsweise Anderer zu erhalten und auch, sein eigenes Arbeitsverhalten zu hinterfragen und vielleicht zu optimieren.

 

Fotografieren


Der erste Punkt, das Fotografieren an sich, findet bei mir in zwei Varianten statt: entweder mit oder ohne Laptop.

Ohne Laptop

Ganz “klassisch” und fast immer gegeben ist das Fotografieren nur mit der Kamera ohne jegliche mitgeführten anderen Geräte. Ich habe in meiner D7000 glücklicherweise zwei Slots für SD-Karten, sodass ich da je nach Art des Shoots variieren kann: sind mir die Fotos immens wichtig, lasse ich die Karten duplizieren und habe so schon automatisch ein Backup. Dann nehme ich aber auf jeden Fall weitere Karten zusätzlich mit, in dem Fall dann vier 8 GB-Karten und bei größeren oder längeren Shoots auch noch mehr.

Sind die Fotos nur “normal wichtig” dann ist die Kamera auf “Überlauf” gestellt, ist eine Karte voll geht’s auf der nächsten weiter. Kommt bei mir in 90 % der Fälle zur Anwendung. Bisher nur einmal benötigt war die Möglichkeit, RAW und JPG getrennt zu speichern, in dem Fall brauchte ein Freund die Fotos sofort und ohne Zwischenbearbeitung, er bekam die JPG-Karte, ich nahm für mich die mit den RAWs.

Ansonsten gibt es hier nur den Tipp: kauft euch Speicherkarten. Die Viecher kosten mittlerweile nicht mehr die Welt und man ärgert sich nur, wenn man keinen Speicherplatz mehr hat.
Ebenfalls zu empfehlen: macht Fotos. Analog-Fotografen werden hier aufschreien, aber gerade in den Anfängen der Fotografie lohnt sich bei Digitalkameras, mehr zu fotografieren, die Chance auf ein gutes Bild ist höher. Aber übertreiben sollte man es nicht, irgendeiner, normal ihr, muss die Fotos ja auch wieder sortieren.

Mit Laptop

Auch erst einmal passiert ein Tether-Shoot also Fotografieren mit angeschlossenem PC. In dem Fall war das ein Laptop mit externem Bildschirm, ich habe einen Foto-Workshop veranstaltet und so direkt die Ergebnisse groß zeigen können. Hier ist ein langes USB-Kabel wichtig und je nach Einsatzgebiet ein Laptop, Bildschirm oder Beamer. Hierzu verliere ich aber nicht viele Worte, kaum jemand wird das gebrauchen und wenn, weiß er wie.

Manchmal ist man aber auch mit Laptop unterwegs und will seine Speicherkarten einfach leer machen. Für den Fall habe ich eine kleine externe Platte dabei, die mit 320 GB für das Gröbste reicht (ganz ehrlich: wer in wenigen Stunden über mehr fotografiert, ist entweder verrückt oder hat Langeweile), wenn ich daheim bin wird die an den PC geklemmt und wir wären bei dem nächsten Punkt, dem Importieren.

Die Fotos sind jetzt also gemacht und auf der Kamera. Daheim angekommen wird die Speicherkarte (oder die Speicherkarten) angeschlossen und ich öffne Lightroom mit dem Import-Dialog, links ist die Speicherkarte bzw. die externe Festplatte vom Laptop ausgewählt, rechts sind dann bei mir einige Besonderheiten, die ich während des Imports anwende:

 

Importieren


Die Beschreibungen hierzu beziehen sich großteilig auf das folgende Bild:

Ich rendere Vorschauen in 1:1 das heißt, ich habe das Bild in voller Auflösung im Cache und so einen Geschwindigkeitsvorteil, sobald ich ein Bild groß öffne oder hineinzoomen muss, da Lightroom dann nicht mehr rendern muss sondern auf den Cache zurückgreifen kann.

Ich habe eine externe Platte, deren einziger Zweck ist, alle Fotos zu backuppen. Damit ich später nicht einen Ordner dort erstellen und alle Fotos hineinschieben muss, lasse ich Lightroom während des Imports das gleich miterledigen.

Dann benenne ich meine Dateien immer gleich passend, die Art der Benennung habe ich mir aus dem oben verlinkten Video abgeguckt. Lightroom kann automatisch benennen, wenn ihr unter “Vorlage” einfach eine neue erstellt, es öffnet sich der Dialog, der auch auf dem Bild zu sehen ist, meine Bennenung erfolgt so:

Datum(JJJ.MM.TT)_Projektname_Projekttag_Kamera_Dateiname

Dabei sind “Projektname” und “Projekttag” in Lightroom bei mir mit “Name der Fotosession” sowie “Benutzerdefinierter Text” belegt, sodass ich während des Imports diese beiden Werte eingeben kann (gelb markiert).

Zu guter letzt gebe ich Lightroom noch den Platz auf meiner internen Festplatte, an den die Fotos kopiert werden sollen, ich lege hierzu im Ordner für die Kamera einen Unterordner nach dem Muster “JJJ.MM.TT Name” an, übrigens wird so auch der Backup-Ordner benannt.

Dann lasse ich den Import laufen, hole mir einen Kaffee, schmier mir ein Brot und mache Sport, während Lighroom schafft. Ihr könnt das jetzt auch machen – oder weiterlesen mit der Dateiverwaltung.

 

Dateiverwaltung


In diese habt ihr zwar eben schon einen kleinen Einblick gewinnen können, als ich beim Importieren auf die Ordner zu sprechen kam, dennoch ist das nicht alles.

Ganz grundlegend habe ich auf meiner internen Platte einen Ordner “Fotos”, in den jede Kamera und jede Speicherkarte importiert wird. Das ist aber nicht wie der Ordner “Eigene Bilder” ein spaßiges “rein damit und fertig”, sondern darin herrscht eine Ordnung. Den gleichen Ordner habe ich zu 100% identisch auf meiner externen Platte als Backup.

Im Ordner Fotos gibt es einen Ordner für jedes Jahr, von dem Bilder existieren, bei mir fängt das im Jahr 2002, ich schaue mir aber jetzt den Ordner 2012 genauer an. Dort nämlich ist dann wiederum für jede Kamera ein Ordner angelegt. Das ist der “finale” Ordner, in den ich nach dem obigen Muster “JJJ.MM.TT Name” von Lightroom die Bilder sortieren lasse. Das sieht dann komplett so aus:

Für jedes Jahr und jede neue Kamera gibt es also einen neuen Ordner mit Unterordner. In seltenen Fällen habe ich in einem weiteren Ordner neben “Fotos” noch große Projekte, für die ich der Übersicht halber alles dort beisammen haben möchte.

Außerdem habe ich Lightroom mit mehreren Katalogen bestückt, ich habe sowohl aus Gründen der Übersicht als auch Geschwindigkeit einen Katalog pro Jahr. Das passt ganz gut zur Ordnerstruktur und ist einfacher, als alles in einem zu haben.

Diese Kataloge liegen bei mir trotz ihrer Größe alle auf Laufwerk C da das meine SSD ist und ich nur so von der Geschwindigkeit profitiere, Struktur ist die folgende:

C:\Program Files\Adobe\Adobe Photoshop Lightroom 4.1\Kataloge\Jahr JJJJ\

Hier liegt dann jeweils im Ordner für jedes Jahr auch alles an Dateien von Lightroom inklusive dem Katalog.

Wie ihr auf dem Screenshot oben habt sehen können, gibt es noch einen Katalog “Diverses”. Da schmeiße ich alles rein, was nicht in den Hauptkatalog soll, wenn ein Freund ein Bild bearbeitet haben möchte, ich einen Screenshot bearbeite und lauter so Zeug.

Das ist alles, was die Datei- und Katalogverwaltung betrifft, weiter geht es mit dem Bearbeiten.

 

Nachbearbeitung


Hier gebe ich nur einen kurzen Ausblick über das, was ich mache, es wäre unsinnig, ins Detail zu gehen, da jedes Bild anders nachbearbeitet werden muss. Grundlegend mache ich aber bei jedem Bild das gleiche am Anfang:

  • Schlechte Bilder aussortieren
  • Croppen wenn nötig
  • Weißabgleich anpassen
  • Objektivkorrekturen

Danach geht es in die tiefere Bearbeitung, wenn sie nötig ist, dabei versuche ich soviel wie möglich mit Lightroom zu machen und nur wenn unbedingt nötig in Photoshop weiterzumachen. Es bietet sich übrigens an, dabei per Rechtsklick auf das Bild und “Barbeiten in” zu gehen, da Lightroom so die daraus entstehende Kopie automatisch mit dem Original verknüpft und so als “Stapel” anzeigt, ist übersichtlicher und praktischer.

Bin ich mit der Bearbeitung in Photoshop fertig, speichere ich die PSD noch einmal und zwar im Ordner “Fotos” und dann “Live-Data”, sowie auf der Backup-Platte. Der Ordner Live-Data auf der internen Platte wird zu Monatsanfang geleert, sodass ich hier immer nur die aktuellsten Projekte habe.
So habe ich extern die kompletten Ordner, intern im Live-Data Ordner die aktuellsten Projekte mit den verschickten Dateien sowie im jeweiligen speziellen Ordner die von Lightroom angelegte Kopie.

Ebenfalls hier gespeichert werden alle exportierten JPGs, PNGs whatever, sowohl aus Lightroom als auch Photoshop. Zusammenfassend kommt hier also auch alles hin, was dann einmal verschickt und online gestellt wird.

Womit wir beim letzten Punkt wären: die Fotos stelle ich nun entweder online zur Verfügung, verschicke sie per Mail, brenne sie auf DVD oder was eben gewünscht ist.

Zu guter Letzt wird dann noch die Speicherkarte formatiert, die Kamera geladen und der PC ausgeschaltet. Es ist wahrscheinlich 4 Uhr morgens, in 2 Stunden muss ich aufstehen und bin dennoch glücklich, wieder ein paar interessante Fotos gemacht zu haben.

achisto

Autor und Fotograf bei mint.network
Administrator, Blogger, Fotograf. Mitgründer von mint.network im July 2011. Hauptsächlich als Autor und Fotograf tätig.

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6 Gedanken zu „Mein Workflow für Fotos – von der Aufnahme bis zum ‘Publishing’

  1. Pingback: [mint-forum] Fotografie-Workflow: von der Aufnahme bis zum Publishing

  2. KChristoph

    Sehr schön, ich werde in Ruhe lesen.

    Am Rande: Ich kann am Fußende auf “Mobile” umschalten, an der Stelle jedoch nicht auf “Standard” zurückschalten … (Firefox 14.01)

    Antworten
  3. luhu

    Sehr interessanter Workflow, Danke fürs Zeigen!

    Muss meine (eigentlich nicht vorhandene) Ordnung mal überdenken.
    Leider kann die Adobe Bridge nicht so gut verwalten wie Lightroom – muss ich mir letzteres wohl doch noch zulegen. :D

    Antworten
  4. achisto Artikelautor

    @KChristoph: Das muss an einer Einstellung deines Firefox liegen, bei mir, ebenfalls 14.01, klappt alles wunderbar!

    @luhu: Naja, wobei die Bridge ja zwar zum Verwalten gedacht ist, dient sie bei mir primär immer dem Aussortieren. Das aber immer seltener, früher habe ich alles darüber gemacht, mittlerweile so gut wie gar nichts mehr!

    Antworten
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