Feuerwerkfotografie: Wie mache ich es richtig?

Vor knapp einer Woche war ich beim Abschlussfeuerwerk unseres lokalen Volksfestes in der Stadt, um möglichst gute Fotos davon zu machen. So war das schon die letzten Jahre und auch dieses Jahr wieder. Doch die letzten Jahre war es immer so, dass ich “einfach mal machte” ohne groß nachzudenken, wie die Fotos werden würden.

Dieses Jahr nicht so, ich holte mir im Vorfeld einige Tipps, wie man möglichst gute Fotos bekommt. Diese Tipps möchte ich hier mit euch teilen und zeigen, wie ihr möglichst gut ein Feuerwerk fotografieren könnt.

 

Vorbereitung und “Packliste”


Ganz wichtig ist natürlich ein Stativ, da ihr mit Belichtungszeiten im Sekundenbereich arbeiten werdet, ebenfalls ist ein Fernauslöser eine mehr als gute Idee. Je nachdem, wo ihr fotografiert braucht ihr eine mehr oder weniger große Brennweite, obiges Foto wurde mit 50 mm geschossen, wenn ihr aber weniger nah an der Abschusstelle seid, können auch mal durchaus 200 mm gerechtfertigt sein.

Auf die Lichtstärke des Objektivs kommt es hier weniger an, da ihr sowieso mit Blenden zwischen 8 und 11 arbeiten werdet, dazu aber mehr weiter unten.

Des weiteren solltet ihr daran denken, frühzeitig einen guten Platz auszusuchen und dann auch frühzeitig dort zu erscheinen – gerade beim ersten Mal sollte man für Aufbau und Einstellen ein bisschen Zeit einplanen. Bei mir war es bei einem vergangenen Feuerwerk beispielsweise so, dass am Ende ein Baum im Weg war, dessen Äste mir mitten ins Bild hingen – bei so etwas müsst ihr einfach aufpassen.

Die wichtigsten Punkte in der Vorbereitung also konkret:

  • Akku laden, Speicherkarten einpacken
  • Stativ einpacken, Stativplatte nicht vergessen
  • Fernauslöser einpacken, ob Kabel oder Funk ist egal, ein Kabelfernauslöser ist im Zweifel aber “ausfallsicherer”
  • Möglichst vor dem Feurerwerk im Hellen den Platz aussuchen, von dem fotografiert werden soll

Kameraeinstellungen


Ihr seid jetzt also angekommen und habt alles aufgebaut. Kommen wir zu den Kameraeinstellungen. Zuerst ist wichtig, am Objektiv den AF auszuschalten und den Fokus manuell auf unendlich zu stellen. Bei manchen Objektiven kann es da leichte Probleme geben, da ein komplettes “unendlich” laut Fokusring kein solches ist, da müsst ihr im Vorfeld probieren, an welchem Punkt das Objektiv tatsächlich auf “unendlich” steht.

Alternativ gibt es noch eine Möglichkeit: ihr wollt vielleicht ja noch etwas anderes als das bloße Feuerwerk am Himmel sehen, bei mir bot sich z.b. das Schloss unserer Stadt an, mit einzubauen. Wenn ihr ein solches Objekt habt, stellt per Autofokus darauf scharf und schaltet dann auf manuell – durch die geschlossene Blende von 8 oder mehr ist die Tiefenschärfe groß genug, um das Feuerwerk selbst ebenfalls scharf abzudecken. Für diesne Fall bietet es sich auch wieder an, bereits am Tag hinzugehen und auszuchecken, welche Objekte es wert sind, scharf abgebildet zu werden!

Dass der manuelle Modus verwendet wird, versteht sich hier von selbst. Als ISO-Wert bietet sich derjenige an, der für eure Kamera der Base ISO-Wert ist, da dort der maximale Kontrastumfang ausgenutzt wird, da müsst ihr im Internet schauen, welcher das bei euch ist, einfach Google mit mit eurer Kamera und dem Begriff füttern.

Dann zur Blende: oben sprach ich an, dass man die Blende bewusst schließt. Im ersten Moment werdet ihr euch fragen, wieso, es ist aber ganz logisch: man will bei einem Feuerwerk ja vor allem diese Schweife sehen, die ein Feuerwerk ausmachen. Wenn man da mit einer 1/10 Sekunde belichtet, ist das zu kurz, um das Feuerwerk ordentlich abzubilden, um also länger belichten zu können, schließt man die Blende. Als Richtwert kann man sich hier zwischen Blende 8 und 11, in extremen Fällen auch kleiner, bewegen, daraus resultiert dann eine Belichtungszeit von mindestens 3 Sekunden, wobei das schon recht kurz ist. Sollte aber das Feuerwerk eine solche Belichtungszeit erfordern, wählt sie – ansonsten habt ihr bei weißen Schweifen und starkem Feuerwerk am Ende eine weiße Fläche. Das nachfolgende Bild beispielsweise wäre mit mehr als 3 Sekunden zu hell gewesen und das Feuerwerk an sich komplett weiß!

Da müsst ihr ein wenig experimentieren, mit welcher Blende und Belichtungszeit ihr am besten fahrt, ich habe an dieser Stelle aber noch einen besonderen Tipp: stellt die Blende im Vorfeld fest ein, die Belichtungszeit allerdings nicht, sondern dreht solange die Belichtungszeit hoch, bis die Kamera “Bulb” anzeigt. In dem Modus wird der Verschluss geöffnet, sobald ihr das erste Mal auf den Fernauslöser drückt, und wieder geschlossen, wenn ihr nochmal drückt. Das hat den Vorteil, dass ihr entweder die Sekunden zählen könnt und so bei etwas hellereren und etwas dunkleren Explosionen in der Belichtungszeit variieren könnt, als auch, dass ihr beispielsweise an die Explosion öffnen könnt und wieder schließt, sobald das Feuerwerk “verpufft” ist. Auch da benötigt man anfangs ein paar Versuche, aber hat man sich erst einmal an diese Technik gewöhnt, funktioniert alles wunderbar.

Und noch etwas, das ihr beachten solltet: fotografiert in RAW. Ich habe unbeabsichtigt den Fehler gemacht, die Kamera nach einem Reset nicht wieder komplett umzustellen und so in JPG-Fine fotografiert. Zwar besser als nichts, aber mit einem RAW habt ihr doch wieder ganz andere Möglichkeiten.

DIe Zusammenfassung sieht also aus wie folgt:

  • Manueller Modus
  • Base-ISO-Wert verwenden (Google befragen)
  • Autofokus aus, Fokus auf unendlich
  • Zwischen Blende 8 und 11, evtl. auch noch kleiner
  • zwischen 3 – 10 Sekunden Belichtungszeit, bei Bedarf länger oder kürzer wobei 3 Sekunden schon recht kurz ist
  • hier als Tipp: Bulb-Modus verwenden in Kombination mit Fernauslöser
  • Unbedingt in RAW schießen

Das alles sind natürlich nur Tipps und Richtwerte, aber wenn man sie im Hinterkopf behält und in die Richtung geht oder auf deren Basis die Fotografie an die eigenen Bedürfnisse anpasst, sollte man zumindest nicht allzuviel falsch machen ;-)

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achisto

Autor und Fotograf bei mint.network
Administrator, Blogger, Fotograf. Mitgründer von mint.network im July 2011. Hauptsächlich als Autor und Fotograf tätig.

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11 Gedanken zu „Feuerwerkfotografie: Wie mache ich es richtig?

  1. luhudroid

    Also spontan hätte ich ein Feuerwerk nicht anders fotografiert, trotzdem tolle Anleitung! :)

    Aber meinst du das mit dem Fokus auf Unendlich haut da so hin?
    Wenn ich beim Fotografieren von Sternen den Fokus auf unendlich stelle, sind die Sterne trotzdem unscharf, auch wenn die noch ein wenig weiter weg sind, als ein Feuerwerk. :D
    Oder liegt das ganze an meinem alten Kit-Objektiv?

    Antworten
    1. achisto Artikelautor

      @luhudroid: Deshalb meinte ich, dass komplett unendlich nicht immer richtig sein muss – es ist z.b. bei einigen Nikkoren so, dass der Fokusring, nachdem man auf unendlich gestellt hat, sich noch weiter drehen lässt, man fokusiert sozusagen “weiter als unendlich”. Das sieht dann so aus, dass du drehst, bei unendlich angelangst und das Bild scharf ist, du aber noch einen Millimeter oder weniger weiter drehen kannst und das Bild dann wieder unscharf wird – das ist vielleicht bei deinem auch der Fall, welches verwendest du denn? Am besten ist wirklich: im Vorfeld ausprobieren oder den Autofokus auf ein Objekt in Nähe des Feuerwerks scharf stellen lassen – dank der Blende von kleiner 8 hast du eine Tiefenschärfe, die auf alle Fälle ausreicht!

  2. ShoXX

    Sehr guter Artikel mit allen wichtigen Tipps! ;)

    Einen Hinweis noch von meiner Seite:
    Wenn verfügbar, die Spiegelvorauslösung nutzen – Das verringert nochmal die Verwacklungsunschärfe (ist zumindest bei mir manchmal echt extrem)

    Beim Fokussieren muss ich immer ein paar Millimeter vor unendlich fokussieren, weil sonst die Schärfe sonst wo liegt^^

    Antworten
  3. achisto Artikelautor

    @ShoXX: hatte mir überlegt, die Spiegelvorauslösung mit hinein zu bringen, es aber dann gelassen, aus zwei Gründen:
    * bei Feuerwerk kommt es beim Drücken des Auslösers evtl. auf den Moment an, um das Feuerwerk perfekt zu erwischen, da wäre die Spiegelvorauslösung etwas hinderlich
    * bei Testbildern bei dem letzten Feuerwerk habe ich einmal mit einmal ohne fotografiert – es gibt keinen sichtbaren Unterschied, zumindest bei Feuerwerken nicht.

    Soweit meine Erfahrung, im Endeffekt ist die Spiegelvorauslösung dann nur wieder etwas, das ablenkt ;-)

    @luhudroid: okay, die habe ich auch hier, ist in der Tat so der Fall!

    Antworten
  4. Pingback: [mint-forum] Feuerwerkfotografie: Wie mache ich es richtig?

  5. ShoXX

    Wieso? Den Spiegel löst du erst aus und mit dem zweiten drücken auf den Fernauslöser beginnt die Aufnahme^^
    Ist im Prinzip nur ein Klick mehr, den man aber locker vorher machen kann :P

    Wie gesagt, bei mir sind da teilweise dann extreme Verwacklungen drin, wenn ichs nicht so mache – Hab halt eine Sigma >.<

    Antworten
  6. Pingback: Feuerwerke richtig inszenieren › blendstufe.de

  7. Pingback: How To - Feuerwerk ohne Stativ fotografieren

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