In’s eigene Bein geschossen? – Gamescom sperrt Besucher aus

Die Gamescom ist die weltweit größte Messe für interaktive Unterhaltungselektronik – also Spiele – und findet seit 2009 jedes Jahr in Köln statt. Dieses Jahr wird sie aber großer Kritik ausgesetzt sein, viele sprechen von einem drohenden Shitstorm.

Was war die Unruhe groß in der Bloggerwelt, als die Gamescom vor einigen Tagen bekannt gab, die Fachesucher nach folgenden Kriterien einzuschränken:

  • Betreiber privat initiierte Blogs und Homepages werden nicht mehr akkreditiert
  • Ausnahmen gibt es, wenn bereits über die Gamescom berichtet wurde und das Medium > 1 Jahr besteht
  • Es wird auf Zugriffszahlen und die Größe geachtet

Im Klartext also: kleine Blogs (zu denen auch wir uns zählen) haben keine Chancen, eine Akkreditierung und somit die Möglichkeiten für eine fundierte Berichterstattung zu bekommen. Doch bevor ich jetzt hier das Geschimpfe anfange, erst einmal ein paar Gründe für und gegen die Regelungen – und wie man es besser machen könnte!

Die Gründe für die Einschränkungen klingen erst einmal einleuchtend: in den letzten Jahren und vor allem 2011 wurde die Möglichkeit, sich bereits mit einem kleinen Blog akkreditieren zu können, schamlos ausgenutzt – Schaaren von “kleinen Kindern” mit einem 2 Wochen alten Blog waren die Folge. Dass dort eine Berichterstattung im Anschluss ausblieb, verwundert keinen. Ebenso verwundert es keinen, dass die Messe Köln an diesem Punkt einschreiten musste, es war vorherzusehen, dass die Regelungen angepasst und strenger gemacht werden. Sehr gut beschrieben, wie das ablief, hat das der Sm0k1ngGnu!

Doch in der jetzigen Form trifft man auch viele, die es eigentlich besser verdient hätten. So haben wir beispielsweise auch schon dieses Jahr sehr engagiert über die CeBIT berichtet – auch das war uns nur in der Form möglich, weil wir als Presse einige Vorteile und Möglichkeiten hatten. Als normaler Besucher wäre uns nur der Samstag geblieben, wie voll es da war, haben wir auch schon beschrieben, auf der Gamescom ist das noch eine Spur extremer.

Und daran sieht man: für eine ausführliche und gute Berichterstattung benötigt man diese “Privilegien” – es gibt sie nicht umsonst! Auch Zhi und ich könnten anreisen am Tag für alle. Das Resultat wären aber 2, 3 Artikel mit schlechten Bildern von genervten Ausstellern und definitiv keine journalistisch wertvollen Werke gewesen. Es ginge gar nicht besser!

David, den ich schon oben verlinkte, hat in seinem Beitrag geschrieben:

Dass wir die letzten Jahre quasi als Schmarotzer kostenlos hinter die Kulissen der Spielemesse schauen durften, war ein Bonus, aber keine Selbstverständlichkeit.

Dem muss ich hier halb zustimmen und widersprechen: natürlich ist es keine Selbstverständlichkeit, dass jeder Wald- und Wiesenblogger eine Akkreditierung bekommt. Aber das ist auch gar nicht “gefordert”. Es ist vielmehr so, dass eine ausführliche Berichterstattung über ein solches Ereigniss – wir haben über die CeBIT in Summe 24 Artikel geschrieben – gute Werbugn darstellt. Für die Veranstalter wie auch Aussteller. Und in diesem Fall darf man die Reichweite eines noch so kleinen Blogs nicht unterschätzen!

Deshalb sollte die Zustimmung zur Akkreditierung in meinen Augen weniger abhängig gemacht werden, wie groß, erfolgreich und bekannt ein Blogger ist. Natürlich hat so jemand eine größere Reichweite – aber auch er hat einmal klein angefangen. Nein, es müsste einfach eine höhere Hürde gesetzt werden. Eine Hürde, die von all den Blogs, die extra zum Zwecke der Akkreditierung erstellt wurden, nicht genommen wird. Eine, die von solchen nicht genommen werden kann, die nur auf kostenlose T-Shirts und schulfrei aus sind.

  • Das könnte so aussehen, dass z.B. im Vorfeld bereits ein ausführlicher Bericht gefordert ist.
  • Das könnte aussehen, dass man sich die Blogs einfach einmal genauer anschaut. Im letzten Jahr hatte man das Gefühl, selbst komplett leere Blogs wurden angenommen (um mal zu überspitzen) und die bekamen auch gleich 10 Akkreditierungen.
  • Das könnte auch so aussehen, dass pro Medium maximal 2 Personen kommen dürfen. Das wäre ausreichend für so gut wie jeden.
  • Das könnte so aussehen, dass der Einzelfall einfach genauer geprüft wird.

Denn die Beschränkung, wie sie im Moment ist, ist deshalb unsinnig: es bliebe nur nicht-privat geführten Medien die Möglichkeit, zu akkreditieren. Nun können aber auch privat geführte Medien genauso wenn nicht sogar erfolgreicher sein, als andere. Selbst wir haben mit unseren Berichten zur CeBIT mehrere hundert Leser täglich gehabt, die nur diese Artikel besuchten. Das zeigt das Interesse und die Bereitschaft, auch diese zu beachten!

Um nun meinen Artikel auf den Punkt zu bringen: ich wünsche mir eine sinnvollere und trotzdem wirksame Regelung, die zumindest in großen Teilen “fair” ist. Es wird immer jemand “in die Röhre gucken” aber man sollte zumindest versuchen, dass das die sind, die es nicht anders verdient haben – und eben nicht solche, die unsinnigerweise ausgeschlossen sind.

Auf der anderen Seite: man sollte sich über alles freuen, was man bekommt, und alles andere gelassen nehmen, was eben nicht klappt. Denn einen Anspruch hat niemand und man sollte sich nicht wichtiger nehmen, als man im Endeffekt ist! Diese Einstellung, alles “bekommen zu müssen, weil ja ..” müssen einige ablegen – und vielleicht klappt es dann auch mal!

Danke an craive für das Bild!

achisto

Autor und Fotograf bei mint.network
Administrator, Blogger, Fotograf. Mitgründer von mint.network im July 2011. Hauptsächlich als Autor und Fotograf tätig.

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7 Gedanken zu „In’s eigene Bein geschossen? – Gamescom sperrt Besucher aus

  1. Pingback: Anonymous

  2. Gamescomfachbesucher2012

    So, mal meinen Senf dazugeben:

    Unpassende Überschrift, das gleich vorweg. Weder die Messe Köln noch die Gamescom schießen sich damit ins Bein oder vertreiben Besucher, im Gegenteil! Es wurden effektive und vorallem sinnvolle Maßnahmen ergriffen um der neuen “Presse” Einhalt zu gewähren.

    Wie bereits erwähnt wurden letztes Jahr viele kleine Blogs angenommen, von “kleinen Kindern” war nicht die Rede, da auch letztes Jahr galt, dass man mindestens 16 Jahre alt sein musste um überhaupt eine Akkreditierung zu bekommen. Außerdem zählt der Presse- und FACHbesuchertag auch als solcher und soll nicht dazu dienen, dass alle die nicht zu den “Normalos” gehören und somit bei heiß erwarteten Spielen warten wollen, einfach einen Blog eröffnen um “ungestört” das neuste anzocken zu können. Du redest außerdem von “[...]für eine ausführliche und gute Berichterstattung benötigt man diese “Privilegien[...]”, ja, wenn man denn ausführlich und gut erstatten würde. Bloggs die einfach über Technik & Co bloggen, sind weder fachlich darauf ausgerichtet, noch haben sie eine solche Zielgruppe. Außerdem, genervt waren die Aussteller auch sonst, dies habe ich selbst miterlebt, als mich ein “Türsteher” nach meinem Perso fragte um mein Alter zu kontrollieren. Auf die Frage warum er dies brauchte meinte er, dass diese ganzen Blogger alles kaputt machen.

    Es schleichen sich 16-jährige rein, um die neusten Ego-Shooter zu spielen und alles und jeden anzupöbeln, er fand jedenfalls, Blogger sollten gänzlich ausgeschlossen werden, zumindest zu Fachbesuchertagen. Und ich sehe das genauso, Deine bzw. eure Vorschläge für eine bessere Kontrolle würde sich als ziemlich Zweckfrei entpuppen, da einfach jeder nen kleinen Bericht kopiert und ein klein wenig abändert und bei einer “genaueren Durchleuchtung” des Blogs wäre man viel zu lange damit beschäftigt alle Anträge abzuarbeiten. Fachbesuchertage richten sich primär an Printmedien und solche die bereichts erfolgreich auf ein Onlineblatt umgesattelt haben und die Sparte Games und Co als Primärinformationssektor besitzen, nicht einfach nur Technik.

    Denn kleine Blogs haben einfach keine Reichweite und sind deshalb für Entwickler und Publisher keine Zielgruppe, da sie ja auch an Fachbesuchertagen damit ihr Image aufwerten und Werbung betreiben.

    Antworten
    1. achisto Artikelautor

      Im ersten Punkt sind wir uns ja sogar einig: dass der Presse-/Fachbesuchertag eben nicht dazu dienen sollte, 2 Wochen alte Blogger reinzulassen. Aber alle, denen an einer ausführlichen Berichterstattung liegt, benötigen diesen Tag. Es ist nämlich nicht/nur schwer möglich, am Tag der Öffentlichkeit hereinzuschauen: einmal weil man kaum Möglichkeiten hat, mit den Ausstellern zu sprechen und Sachen zu klären, man ist nur einer von vielen, und des weiteren, weil die Massen an Menschen unter zeitlichen Aspekten die Arbeit stark behindern würden. Gesehen haben Zhi und ich das dieses Jahr auf der CeBIT.

      Als zweckfrei sehe ich die vorgeschlagenen Maßnahmen auch nicht an: sie wären ein Weg in die richtige Richtung zur “goldenen Mitte”. Man kann natürlich noch verfeinern und optimieren, aber wenn man das getan hat wären die Regelungen in meinen Augen sinnvoller als die des letzten und diesen Jahres!

      Zu guter letzt: auch kleine Blogs haben eine ordentliche Reichweite: wir haben zur CeBIT und danach unsere Statistiken betrachtet und als Fazit kann man sagen dass pro Tag teilweise über 200 Besucher NUR auf den CeBIT-Artikeln unterwegs waren. Da wir die teilweise ja auch mit weiterführenden Links zu den Seiten der Aussteller etc. gespickt hatten, sicher nicht zu verachten zumal es für sie kostenlose Werbung ist.

      Denn ein Blog – so klein er ist – hat gegenüber dem Printmedium einen Vorteil, der sogar das Blatt wenden könnte: da man meistens den/die Autoren und Initiatoren “dahinter” kennt, vielleicht sogar persönlich, ist ein grundlegendes Vertrauen da, man asoziiert mit dem Geschriebenen ein Gesicht, eine Person und hat deshalb auch zu der z.B. Firma über die geschrieben wird einen positiveren Bezug. In der Regel.

  3. haliog

    In meinen Augen hat es die Gamescom auch übertrieben: es ist zwar gerechtfertig, dass Restriktionen gemacht werden, es war mehr als nötig – aber doch nicht so übertrieben, das macht gar keinen Sinn. Ich hoffe auch, dass die Messe Köln bzw. Gamescom noch einmal darüber nachdenkt – im Zweifel muss man als interessierter Blogger halt direkt anrufen und das persönliche Gespräch und damit evtl. auch die Akkreditierung suchen!

    Antworten
    1. Gamescomfachbesucher2012

      Nein, ich finde hier gar nichts übertrieben, sondern es wurden die richtigen und effektiven Maßnahmen gegen dieses neu Schnorrer-Syndrom gefunden. “Interessierter Blogger” lässt sich so weit definieren, von “um 00:00 Uhr wird am 15. Mai Diabolo 3 3 Wochen durchgesuchtet” bis hin zu “mhh, Minecraft hab ich schonmal gehört, aber alles andere lässt sich dort klären”. Wenns danach ginge, könnte jeder als Fachbesucher dahin. Aber mit FACHbesucher sind vor allem Journalisten, und damit meine ich RICHTIGE, welche wichtige Artikel schreiben und welche die Leute auch lesen, und nicht diese Pseudo-Journalisten alias Blogger, als auch Investoren angesprochen.

      Mit einem persönlichen Gespräch würdest du nur eins erreichen: Gelächter und im schlimmsten Fall sogar ein Hausverbot. Außerdem, wenn jeder nachfragen würde, wären die irgendwann so genervt, dass gar kein Support mehr stattfindet.
      Nimms doch einfach so wies ist, geh als NORMALER Besucher hin, man hat fast noch mehr Spaß, da die ganzen Cosplayer auch erst zu den normalen Besuchertagen reingelassen werden, außerdem trifft man viele echt nette Leute und kann auch so guten Stuff abgreifen oder mit dem einem oder anderen Entwickler reden. Ich war die letzten 2 Jahre auch als “Normalo” dort und es hat echt gebockt.

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